Der erbärmliche Zustand des Pro-Tech-Bloggens, oder: Ich muss dann wohl ja wieder…

Ja, denkt man sich so. Ja, Blogs, hör auf, gibt es doch genug. Da sitzen die Pro-Blogger-Mogule, halten sich prekäre Schreiber, die den ganzen Tag alles beobachten und alles sofort wegbloggen, für 5 € pro Eintrag. Da kann man als einzelner unabhängiger Schreiber es eigentlich lassen, es ist eh alles schon geschrieben, 10-fach, 100-fach, 1000-fach.

Aber dann kam der Blog-Tiefpunkt des Jahres 2010. Die Story ist eigentlich banal. Adobe packte den Kaltura-HTML5-Player für seine Dreamweaver-Nutzer in ein aus diesem Progrämmchen heraus downloadbares handliches Widget. So weit, so banal, schön für die Dreamweaver-Nutzer, ist als Thema an sich hier auch nicht der Punkt.

Und was machen die »Tech-Blogs« draus? Schreiben als hätte Adobe das selbst entwickelt und schwadronieren ob dieser fundamentalen Fehlinformation über große strategische Auswirkungen und Plattformveränderungen, vergessen aber zu erläutern, was da wirklich hinter steckt. Dabei war nach dem Download in wenigen Minuten heraus zu finden, dass Adobe mitnichten einen großen strategischen Plattformschwenk einleitet und sich schon gar nicht einen eigenen Player gebaut hat, sondern lediglich eine externe HTML-Komponente für seine Entwickler in einem Paket zur Verfügung stellt, wie sie das mit zig anderen auch machen.

Was die Pro-Blogs da praktizieren, ist die Art von oberflächlicher Schreiberei, die man von den alten sterbenden Medien zur Genüge kennt. Pro-Blogs fehlt der Wille zum tieferen Nachschauen, der einst das Bloggen ausmachte und groß werden liess. Es geht nur um »irgendwas gelesen, schnell raus damit, die 5 € verdienen, schnell, noch ne Meldung, noch ne Meldung, bloß nicht den Leser was anderes im Netz lesen lassen«. Es ist der selbe seichte brackige unterirdische Nachrichtenfluss der Oberflächlichkeit, aus dem auch die alten sterbenden Medien schöpfen, nur die oberirdische Brunnenumrandung, von der der Eimer herab gelassen wird, sieht bei den Pro-Tech-Blogs irgendwie moderner aus. So geht es nicht.

Fazit: Auch 2011 sind unabhängige Blogs die tiefer schauen gerade in den Zeiten der Schnellfeuer-Pro-Blogs wichtig. Gut, müssen wir also wieder ran, so sei es, willkommen, 2011.

Tags:


Artikel

Suche

Kontakt

  • Twitter: zweisprech
  • E-Mail: editor(at)zweisprech.de
  • Jabber: ralfgraf@gmail.com

Lizenz

Creative Commons License
zweisprech.de steht unter einer Creative Commons 3.0 Deutschland-Lizenz unter folgenden Bedingungen:

zweisprech.de [ Start | Kontakt | Impressum ]
Inhalte lizenziert unter CC 3.0 DE by-nc-sa