RSS, das Web und der Tod

In den letzten Jahren, seit alles so toll social ist, wird immer mal wieder der Tod von RSS ausgerufen:

»It’s time to get completely off RSS and switch to Twitter. RSS just doesn’t cut it anymore.«

Das war 2009. Aber noch stets gedeiht mein Feedreader eigentlich ganz ordentlich.

[Was bei solchen Gelegenheiten immer der Ersatz des sicher in den Tod gehenden sein soll ist schon abenteuerlich. Wie soll denn Twitter, also die Links die meine verehrte Timeline da täglich reinwirft und »retweetet«, der Ersatz für den exquisit nach meinen Wünschen kuratierten Feedreader sein? Wollen wir alle nur noch Blog-Säue, die durchs Twitter-Dorf getrieben werden, so genannte »Skandale« und Rickroll-Videos zu uns nehmen? Völlig absurd!]

Dieses Mal wurde der Tod durch Herrn Camen ausgerufen, weil man bei Firefox den RSS-Knopf aus der Adressleiste ausbauen will. Dieser könnte DAUs verschrecken. Ja, schlimm, immer diese Knöpfe. Verunsichert laufen die armen Benutzer gegen Straßenbahnen.

Daraufhin gab es ein hübsches Duell zwischen RSS-Erfinder Dave Winer und den Oberschlaumeiern von Techcrunch. Sehr amüsant zu lesen, Onkel Dave war ganz schön sauer und teilte mächtig aus gegen das unappetitlichste aller Pro-Blogs. ;) Und natürlich mussten alle wichtigen ihren Senf dazu geben.

Aber was sagt uns das nun?

Der Tod von RSS ist auch dieses Mal ein »blödsinniger hubbub«. Das Gegenteil ist der Fall. RSS ist für Freunde der Information, die systematisch Informationen über ihre Themengebiete gewinnen wollen (oder müssen), absolut »alternativlos«. Kein Twitter- oder gar Facebook-Fluss von Links wird das jemals ersetzen können. Letztere können höchstens eine Ergänzung zu der eigenen Feed-Sammlung sein. Und ich bin mir sicher, dass nicht nur ich das so sehe, deshalb ist es völlig irrelevant, ob Firefox den RSS-Button entfernt oder nicht. Aber ‘ne schöne Debatte war es.

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